Beratung Dienstrad-Leasing-Modell

Das Dienstrad-Leasing-Modell

(Un)gerechte Vorteile für Unternehmer:innen und Mitarbeiter:innen

 

Helmut Schleich, Gründer commoveo

Media: Herr Schleich, Sie haben vor kurzem das Start-up Business, Commoveo GmbH & Co KG gegründet, welches sich mit der Beratung von nachhaltigen Mobilitätslösungen auf zwei Rädern für Unternehmen und deren Mitarbeiter:innen beschäftigt. Wie war der Start und wie geht es Ihnen?

Helmut Schleich (Commoveo): Nachdem wir im Rekordtempo innerhalb von 4 Monaten mit allen Vorbereitungen fertig waren, konnten wir im Juli unsere neue Website – commoveo.at – launchen. Die ersten Gespräche und Empfehlungen ließen nicht lange auf sich warten und die Resonanz ist einfach großartig. Nach einigen persönlichen Beratungen über den Einsatz diverser Möglichkeiten stellte sich rasch heraus, dass das staatlich geförderte Dienstradmodell bei österreichischen Unternehmen der klare Favorit ist.

 


Media: Herzlichen Glückwunsch zum positiven Start Ihres Unternehmens. Die Themen Nachhaltigkeit und Mobilität betreffen uns alle. Aber was steckt hinter dem staatlich geförderten Dienstrad-Leasing-Modell und wie können Unternehmen und Mitarbeiter:innen davon profitieren?

Helmut Schleich (Commoveo): Im Grunde genommen geht es darum, dass Unternehmen ihren Mitarbeiter:innen die Möglichkeit bieten günstig, nachhaltig und bequem in die Arbeit zu kommen. Und darüber hinaus auch noch die Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen fördern. Ganz einfach. (Schleich lacht) Im Detail bedeutet es, dass beim Dienstrad-Leasing-Modell ein Unternehmen einen Rahmenvertrag mit einem Fahrradanbieter ihrer Wahl macht und als Leasingpartner:in für seine Mitarbeiter:innen auftritt. Eine Überlassungsvereinbarung ermächtigt die Mitarbeiter:innen ein Fahrrad bei einem Fahrradhändler auszusuchen. Das kann ein E-Bike oder ein manuelles Fahrrad sein, je nach persönlicher Präferenz. Der außergewöhnliche Benefit ist, dass die Leasingrate inkl. Versicherung von den Mitarbeiter:innen direkt von deren Gehalt abgezogen wird. Dies geschieht mittels sogenannter Gehaltsumwandlung. Dabei ist die Leasingrate lohnsteuerfrei, es fällt kein Sachbezug an und wenn das Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist, auch keine Vorsteuer. So lassen sich bis zu 39% gegenüber dem Barkauf sparen. Das ist einfach großartig.

 

 

Media: Können Sie uns für unsere Unternehmer:innen-Leserschaft noch weitere Vorteile aufzeigen?

Helmut Schleich (Commoveo): Natürlich. Sehr gerne. Die Vorteile für Betriebe liegen klar auf der Hand: Das Dienstrad-Leasing-Modell dient zur Förderung gesunder Bewegung und nachhaltiger Mobilität. Es kann in der gesamten Unternehmenskommunikation als attraktiver Mitarbeiter-Benefit und als Instrument zur Mitarbeitergewinnung- und Bindung eingesetzt werden. Darüber hinaus ist es ein kostenneutraler Beitrag zum betrieblichen Gesundheitsmanagement und reduziert nebenbei noch Kommunalsteuer und den Dienstgeberbeitrag.

 

 

Media: Das klingt sehr spannend und mir kommen umgehend zwei weitere Fragen in den Sinn: Ist das Dienstrad-Leasing-Modell den österreichischen Unternehmer:innen bekannt und können alle Privatpersonen diesen Benefit nutzen?

Helmut Schleich (Commoveo): Kurze Antwort: Nein und nein.

 


Media: Stopp! Das heißt wir haben ein ausgeklügeltes Förderungsprogramm für nachhaltige Zweirad Mobilität in Österreich, welches alle Unternehmen für ihre Mitarbeiter:innen nutzen könnten und wissen das nicht?

Helmut Schleich (Commoveo): Das Dienstradmodell hat mit 1.1.2020 seine Gültigkeit erlangt. Anfangs kam die Botschaft nur sehr zögerlich bei Firmen an und wie so oft war eine gewisse Skepsis der Begleiter. Viele Unternehmer:innen machten sich Gedanken hinsichtlich Aufwand vs. Nutzen und stellten sich die Frage ob sich die Einführung des Dienstrad-Leasing-Modells für den eigenen Betrieb lohnen würde. Darüber hinaus sorgten Fragen zu den steuerlichen Auswirkungen sowie Lagerung der Fahrräder nach Ablauf der Leasingzeit bei Firmen für Unsicherheiten. Darauf gibt es natürlich Antworten. Zusammengefasst kann ich sagen: Liebe Unternehmer:innen, ihr habt nichts zu befürchten.

 


Media: Kommen wir zu Ihrem zweiten „Nein“: Warum können diese Möglichkeit nicht alle Dienstnehmer:innen in Anspruch nehmen?

Helmut Schleich (Commoveo): Entscheidet sich ein Unternehmen dieses Modell einzuführen, ist der erste und wichtigste Schritt bereits getan. Auf Arbeitnehmerseite darf nach Abzug der Leasingrate die Entlohnung im gesetzlichen Kollektivvertrag nicht unterschritten werden. Das bedeutet, für alle Arbeitnehmer:innen welche den Vorteil einer Überzahlung ihres gesetzlichen Kollektivvertrages haben bzw. über keinen gesetzlichen Kollektivvertrag verfügen, kann diese Förderung in Anspruch genommen werden. Alle anderen Privatpersonen haben zwar einen Anspruch darauf, können diesen jedoch nicht geltend machen. Wichtig ist mir noch zu erwähnen, dass bspw. alle Landesbediensteten, die Polizei, Lehrer:innen usw. über keinen dezidierten Kollektivertrag verfügen, jedoch einen „Tarifvertrag“ mit fix festgelegten Gehaltsstufen unterliegen, weshalb auch jene Gruppe nicht von den Vorteilen des Dienstrad-Leasing-Modells profitieren kann. Wenn man bedenkt, dass wir in Österreich über ca. 450 verschiedene Kollektivverträge im Umlauf haben, schon eine ganze Menge.

 


Media: Das erscheint mir fast nach einer Zweiklassengesellschaft. Von wie vielen Arbeitnehmer:innen sprechen wir genau?

Helmut Schleich (Commoveo): Nach meiner Berechnung sind das mehr als 2 Mio. Arbeitnehmer:innen! Und klar, das hört sich nicht nur ungerecht an, sondern das ist es auch!

 


Media: Also, wenn ich das richtig verstehe, können Arbeitnehmer:innen durch diese Förderung Treibstoff sparen, sich „gesund  radeln“ und Krankheiten vorbeugen und ebenso das Klima entlasten in dem sie den CO2 Ausstoß reduzieren?

Helmut Schleich (Commoveo): Definitiv. Und Parkplatzprobleme beim Arbeitsplatz sind ebenso Geschichte.

 

 

Media: Wie kann das Dienstrad-Leasing-Modell allen Menschen zugänglich gemacht werden und gibt es dafür bereits Pläne?

Helmut Schleich (Commoveo): In der Tat. Unser Nachbar Deutschland praktiziert dieses Modell seit gut sieben Jahren und hatte dieselben Herausforderungen. Eine Interessensvertretung von Leasinganbieter:innen, Fahrradhändler:innen, Unternehmer:innen und anderen Verbänden schloss sich zusammen und konnten bereits erfolgreich einwirken. Meine Firma ist völlig unabhängig und hat sich als Ziel gesetzt, dieses Thema aktiv anzugehen. Ich bin soeben dabei, eine Interessensvertretung in Österreich auf die Beine zu stellen und gebe nicht auf, bis alle Menschen in den Genuss dieser hervorragenden Möglichkeit kommen. Deshalb installiere ich auf meiner Website: commoveo.at eine digitale Unterstützungsliste damit jene Menschen, welche diese Sache unterstützen wollen mir ihre Zustimmung geben können. Ganz einfach.

 


Media: Dann kann ich Ihnen nur das Beste wünschen und meine Zustimmung ist Ihnen sicher! 

Vielen Dank für das informative Gespräch.

Helmut Schleich (Commoveo): Ich danke Ihnen und ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam Gutes bewegen werden.